Treffpunkt Architektur Niederbayern und Oberpfalz
 
 

 
 

 
 

 

 
16.4.2008 - Architekturlegende Snozzi in Neumarkt

Roter Teppich für Architektur-Ikone aus der Schweiz

Ein roter Teppich musste es da schon sein, den Organisator Johannes Berschneider zum Abschluss der aktuellen Frühjahrsreihe von Architektur & Baukultur in den Festsälen der Residenz ausrollte. Schließlich hatte die Vortragsreihe mit Luigi Snozzi ein Stück lebender Architekturgeschichte in Neumarkt zu Gast. Der Schweizer Architekt lockte so viele Architekturinteressierte und -begeisterte nach Neumarkt, dass die Festsäle der Residenz aus allen Nähten platzten.

Der Name Snozzi steht in der neuzeitlichen Architekturgeschichte in der Reihe der ganz großen Namen. Das besondere an dem Architekten aus dem Tessin ist dabei, dass er viel geplant, aber im Vergleich zu seinen ebenso berühmten Kollegen relativ wenig gebaut hat. Woran das liegt, erfuhr das Neumarkter Publikum im Vortrag von Snozzi selbst.

 

Der 1935 geborene Architekt stellte vor allem städtebauliche Projekte vor, denen eines gemeinsam ist: keines wurde realisiert. Das liegt aber nicht an der Qualität, sondern vielmehr am Querdenker Snozzi, der mit seinen überzeugenden Planungen meist eher auf der politischen Ebene scheiterte. Als überzeugter Sozialist seien Zeit seines Lebens "die Genossen aus der eigenen Partei seine größten, beruflichen Feinde gewesen" berichtet der Schweizer schmunzelnd. Denn gerade diese seien in Gemeinderäten und anderen Instanzen "unverständlicherweise die schlimmsten Gegner moderner Architektur". Und gerade diese ist es, für die der Name Luigi Snozzi mit gleichrangigen Architektennamen aus der sogenannten Tessiner Schule steht. Bereits in den 1960er Jahren baut er meisterhaft mit seinem Lieblingsmaterial Sichtbeton, ganz wie eines seiner Vorbilder le Corbusier.

Seinem Neumarkter Publikum zeigte er an seinen Gedankenwegen zu verschiedenen Planungen, wie seine moderne Architektur zwar im Kontrast, aber gleichzeitig vollkommen stimmig an ihrem jeweiligen Ort steht. Ein Gebäude unserer Zeit müsse aus seinem Umfeld heraus stechen, so Snozzi, es solle ja "nicht die Natur nachahmen". Schließlich sei die Architektur etwas von Menschenhand geschaffenes. Auch historische Bauten im Umfeld hat Snozzi nie nachgeahmt. "Nicht nachbauen, sondern das Prinzip des Ortes verstehen und umsetzen" sei die Vorgabe einer Planung im Bestand.

Snozzi galt schon immer als ein politischer Architekt, als Revoluzzer in seinem Berufsstand. Deshalb auch sein Rat an die Studenten im Saal: "Nehmen sie alle Regeln und Verordnungen und werfen sie diese über Bord. Dann können sie gute Entwürfe machen."

Neben der faszinierenden Architektur der Stadtplanungen bis hin zu den kubischen (und wirklich realisierten) Wohnhäusern in der Tessiner Landschaft unterhielt Luigi Snozzi den vollgefüllten Saal immer wieder mit kleinen amüsanten Anekdoten aus seinem bunten Leben. Sei es das Finden seiner ersten Angestellten in den 1970er Jahren, die nicht etwa Architekten waren, sondern ehemalige Polizisten, Boxtrainer oder im Baum lebende Hippies. Er habe jedem eine Chance gegeben "und sei damit nicht schlecht gefahren". Oder die Geschichte von den Besuchen beim großen Architekten Oscar Niemeyer in Brasilien, der heute mit 100 Jahren immer noch regelmäßig ins Büro geht und erst vor 3 Jahren geheiratet hat. "Das lässt mich hoffen" kommentiert Snozzi schmunzelnd.

Trotz Sauerstoffmangel im überfüllten Saal sind die knapp drei Stunden schnell und sehr kurzweilig vorbei. Ein fesselnder Vortrag mit einer lebenden Architektur Ikone in der Person von Luigi Snozzi, der mit seinen Ausführungen ebenso wie mit seinem Charme das Publikum in Neumarkt auf jeden Fall für sich gewonnen hat. "Architektur ist Leere, es liegt an dir sie zu füllen!" gab Snozzi zum Abschluss allen als Haussaufgabe mit auf den Weg. 




 

 
  

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