„Ich will, dass die Kinder die Bücher klauen!“

Architekt Christian Matt, Partner bei Dorner Matt Architekten aus Bregenz, begeistert mit Poesie, Dialektik und Leidenschaft beim zweiten Jubiläums-Vortrag der BDA-Reihe „Architektur + Baukultur 2026“.

Neumarkt, 22.04.2026: Tageslichtheller Holzbau mit großzügigen Verglasungen an Fassade und Decke. Innen und außen verschmelzen, Übergänge fließen. Offene Bücherregale, keine Tür, keine geschlossenen Wände. „Da kann ja jeder alles mitnehmen!“ lautete eine Kritik aus dem Gremium, das den Entwurf absegnen sollte. „Gut so!“ entgegnete die Schulleiterin. „Ich will, dass die Kinder die Bücher klauen!“ 2017 wurde dieses Bauvorhaben fertiggestellt. So, wie es der Entwurf vorsah. Ein solches Beispiel verdeutlicht Haltung und Erfolg, die sich in zahlreichen Projekten von Dorner Matt Architekten wiederfinden. Diese präsentierte Büropartner und Architekt Christian Matt im Rahmen der BDA-Frühjahrsvorträge „Architektur + Baukultur 2026“, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Die Reihe wurde 2001 von Johannes Berschneider ins Leben gerufen und wird heute von Andreas Schmid, Architekt BDA und Stadtplaner sowie Geschäftsführer von Berschneider + Berschneider Architekten BDA + Innenarchitekten, weitergeführt. Seit einem Vierteljahrhundert zieht sie Architekturschaffende und interessierte Öffentlichkeit gleichermaßen an – und zeigte auch an diesem Abend eindrucksvoll, warum.

Haltung, Grau und 300 Gäste

Haltung zeigen, Perspektiven wechseln und eine Hommage an den Farbton Grau – vor allem mit diesen Qualitäten begeisterte Christian Matt in seinem Werkbericht UNDONE den wieder einmal bis auf den letzten Platz besetzten Vortragssaal des Maybach-Museums in Neumarkt. Rund 300 Gäste erlebten einen Abend, der sich bewusst jeder einfachen Einordnung entzog. Dorner Matt Architekten realisieren Wohnbauten, Gemeinde- und Sozialzentren, Kindergärten, Pflegeheime sowie Büro- und Geschäftsgebäude – regional und darüber hinaus. Kennzeichnend sind der präzise Umgang mit Material, die Qualität der Räume und die Einbindung gesellschaftlicher sowie energetischer Fragen in die Entwürfe. Die Arbeiten wurden vielfach in hoch dotierten Wettbewerben und Architekturpreisen gewürdigt – unter anderem mit Nominierungen für den Mies van der Rohe Award sowie bei Auszeichnungen rund um Architektur und Nachhaltigkeit. 2027 steht zudem das 30-jährige Büro-Jubiläum an.

30 Jahre Werk: Denken auf Umwegen

Ein Vortrag aus 30 Jahren Bürogeschichte: der eines Vorarlbergers, der selbstverständlich mit Holz baut – aber eben nicht nur. Einer, der Bedürfnisse von Menschen erkennt, bevor sie formuliert werden, der Räume, Fassaden und Volumen entwickelt und dabei ebenso selbstverständlich bei Hegel, Sloterdijk oder Cézanne nachliest. Einer, der Materialien nicht nur kennt, sondern mit ihnen spielt. Und einer, der von sich sagt, noch nie gedacht zu haben: „Morgen muss ich in die Arbeit gehen.“ Der Abend war dabei alles andere als ein linearer Werkbericht. Zitate, Comics und gedankliche Exkurse in Philosophie, Kunst und sogar Naturwissenschaften durchzogen den Vortrag. Immer wieder sprach Matt davon, den eigenen Weg zu verlassen, Umwege zuzulassen, um mehr zu sehen – und erst dann zu tragfähigen Ergebnissen zu kommen. Auch im Umgang mit Material zeigte sich diese Haltung. Der Holzbau, tief verwurzelt in der Vorarlberger Tradition, war präsent – doch ebenso Beispiele, die mit Erwartungen brachen: Waschbeton, der dem Tennissand beigemischt wurde, oder Ziegelreste, die als vermeintlicher Abfall eine neue gestalterische Qualität erhielten. Es ging Matt nie um das Material allein, sondern um dessen Geschichte, Wirkung und Möglichkeiten.

Beliebter Ausklang und Ausblick

Im traditionellen Kurzinterview sprachen Moderator Andreas Schmid und Matt über Veränderungen der Architekturszene in den letzten 30 Jahren, darüber, wo Normen helfen und wo nicht, und was wir als Nachbarländer voneinander lernen möchten. Im Anschluss nutzten viele Gäste wieder die Gelegenheit, sich bei der obligatorischen Brotzeit im Foyer zu treffen und den Vortrag wirken zu lassen.

Text: BERSCHNEIDER + BERSCHNEIDER ARCHITEKTEN BDA + INNENARCHITEKTEN
Melanie Schlegel | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 09181 – 4774 20 | schlegel@berschneider.com

Fotos: BERSCHNEIDER + BERSCHNEIDER ARCHITEKTEN BDA + INNENARCHITEKTEN
Melanie Schlegel und Andreas Schmid